Die Gelenksblockade

Wie funktioniert ein Gelenk?
Gelenke sind bewegliche Verbindungen zwischen zwei Knochen und so aufgebaut, dass sich zwei Gelenkspartner (Gelenkkopf und Gelenkpfanne) miteinander bewegen. Damit die Gelenkspartner gut miteinander „arbeiten“ können und möglichst wenig aufeinander reiben, müssen ihre Oberflächen glatt sein. Deshalb sind sie mit einer glatten Knorpelschicht überzogen. Damit das Gelenkzusammenspiel noch reibungsloser funktioniert, wird es mit einer Schmierflüssigkeit (lat. „Synovia„) zwischen den beiden Gelenkspartnern versehen. Leicht vorzustellen ist dies am Prinzip von zwei aufeinanderliegenden Glasplatten mit etwas Wasser dazwischen. Diese können sich fast ohne Reibungswiederstand gegen­einander bewegen. 

Jedes Gelenk besteht neben den Gelenksflächen der beteiligten Knochen aus einem Gelenkspalt und einer Gelenkkapsel. Die Gelenkkapsel wiederum besteht aus einer inneren Schicht („Membrana synovialis“, die unter an­der­em die Schmier- bzw. Gelenksflüssigkeit produziert) und einer äußeren Kapsel­schicht („Mem­bra­na fibrosa“), die für die Stabilität des Gelenkes sorgt. Zusätzlich werden die Gelenke noch mit Bän­dern gehalten, gestützt und damit gesichert sowie ge­steuert.

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Was ist eine Gelenksblockade?
Als Gelenksblockade bezeichnet man eine eingeschränkte oder unmögliche Gelenksbewegung. Sie entsteht oft durch eine ungünstige Bewegung oder Haltung, dabei wird ein zu starker Druck auf die Gelenksflächen ausgeübt.  Die Gelenksschmiere wird zusammen- bzw. hinaus gedrückt und die zwei glatten Flächen des Gelenkes (die Gelenkspartner) werden stark aufeinander gedrückt und blockieren. In der Folge kommt es zu einer Funktionsstörung des Gelenkes.
Der Körper will daraufhin das Gelenk absichern und schützen und baut eine muskuläre Schutzspannung auf. Das bedeutet, die mit dem Gelenk verbundene Muskulatur wird hart.

Ursachen
Häufig sind – bedingt durch hohe Anforderungen – Diensthunde, Rettungshunde, Schutzhunde oder Agility-Hunde betroffen. Aber auch beim normalen Spielen und Toben wird der Bewegungsapparat des Hundes stark beansprucht und es kann zu Gelenksblockaden kommen. Ebenso beim Überschlagen (im Spiel), beim Angerempelt werden, am Türrahmen hängen bleiben, beim heftigen Ausrutschen, bei Leinenruck usw. – aber auch ganz simpel beim ungeschickten Aufstehen – kann sich ein Gelenk (oder Wirbel) blockieren.  Zudem versucht der Körper überbewegliche Gelenke durch Blockaden zu stabilisieren.
Besonders auch Hunde mit einer länger anhaltenden Schonhaltung haben oft  Gelenksblockaden.

Symptome einer Gelenksblockade

  • Bewegungsbehinderung (Funktionsstörung des Gelenkes) – wird oft nur vom  Physiotherapeuten festgestellt
  • Muskelverspannungen und Spannungsschmerzen
  • Schmerzen im Gelenk, auch Belastungsschmerzen
  • Kribbelgefühl (z. B. bei Wirbel- oder ISG-Blockaden)
  • Wirbel(gelenks-)blockaden können zudem in Schultern, Vorderläufe (Arme) und Hinterläufe ausstrahlen und dort Schmerzen bereiten

 

Länger anhaltende (d.h.über Jahre hinweg) bzw. dauerhafte Gelenksblockaden können zudem verursachen:

  • eine muskuläre Dysbalance im Körper,
  • eine verminderte Gelenksschmierenbildung und somit dauerhaft eine Unterversorgung des Gelenkknorpels,
  • durch die fehlende Gelenkschmiere eine verstärkte Abreibung des Gelenkknorpels und in der Spätfolge,
  • eine (schmerzhafte) Gelenksarthrose.
  • Durch die  Gelenksblockade wird eine Dysbalance im Körper ausgelöst und es kommt mit der Zeit meist zu Kettenreaktionen von weiteren Gelenks- oder Wirbelblockaden und  Verspannungen/Schmerzen im Körper.
  • Zudem kann sich eine lang anhaltende (oder dauerhafte) ISG-Blockade in der Spätfolge auch auf die Bandscheiben auswirken. Durch die Dysbalance im Beckenbereich wird der Übergang von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein (Cauda-Equina-Bereich) stark beansprucht. Die Bandscheiben in diesem Bereich werden dadurch verstärkt belastet und frühzeitig abgenutzt. Dies kann auf Dauer (bzw. mit zunehmendem Alter) u.a. zu irreparablen Bandscheibenschäden führen und  Symptome des Cauda-Equina-Kompressions-Syndroms verursachen.

 

Physiotherapie
In der Hundephysiotherapie werden Gelenksblockaden in der Regel z. B. durch Manuelle Therapie und Wirbel(gelenks)blockaden durch Dorntherapie gelöst.
Durch das Lösen der Blockade wird die Gelenkbeweglichkeit wieder hergestellt, der Stoffwechsel und die Durchblutung des gesamten Gelenkes angeregt und die Funktion des umgebenden Gewebes (Sehnen, Muskeln, Faszien) wieder verbessert. Es kann mit entsprechender Bewegung (optimalerweise auf weichen Böden) wieder ausreichend Gelenkschmiere produziert werden und das Gelenk arbeitet und funktioniert wieder einwandfrei.

_dsc0490Auch Zehengelenke können blockieren und Schmerzen (incl. Schonhaltungen) verursachen.

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