Muskelriss und Gracilliskontraktur

Bei einem partiellen (teilweisen) Muskelriss kommt es an der verletzten Stelle zu Dehnungs- und Anspannungsschmerzen. Im Laufe der Zeit füllt sich der Riss mit Narbengewebe aus, dieses ist jedoch unelastisch und hart.

Ist der Muskel vollständig gerissen, ist die Kontraktion (das Zusammenziehen) des Muskels nicht mehr möglich. Es treten akute, stechende Schmerzen auf und ein Hämatom (deutliche Schwellung) bildet sich, der Hund lahmt. Die Rissstelle ist durch eine Vertiefung in der Muskulatur deutlich spürbar.

Aus einem Muskelriss kann eine irreversible, d. h. nicht mehr  heilbare, dauerhafte Muskelverkürzung (sog. „Kontraktur“) entstehen. Dabei verringert sich die Muskelmasse, der Muskel fühlt sich fest und hart an und es muss mit Folgeschäden am Bewegungsapparat gerechnet werden.
Typische Muskelkontrakturen beim Hund kommen z. B. nach einem Riss des M. Infraspinatus (Schultermuskel), M. biceps femoris (Oberschenkelmuskel) und M. Gracillis (Hinterhandsmuskel bzw. -Adduktor) vor.


Kontraktur des M. Gracillis

Der Muskel Gracillis gehört  zu der Muskelgruppe der „Oberschenkeladduktoren“ und liegt auf der Innenseite des Oberschenkels (Hinterhand). Seine Hauptfunktion ist das seitliche Heranziehen des Hinterbeines (im Hüftgelenk), er ist zudem auch an der Kniestreckung beteiligt.

Die Verkürzung, d.h. Kontraktur des M. Gracillis tritt i.d.R. nach einem Muskelriss auf. Besonders häufig sind davon sehr aktive, schwere und große Hunderassen, wie der Deutsche Schäferhund, betroffen. Sie tritt jedoch auch gerne bei Windhunden, wie z. B. dem Greyhound auf. Bei einer Kontraktur des M. Gracillis ist der Muskel permanent verkürzt, dadurch das Bindegewerbe verhärtet und um die Muskelrissstelle befindet sich hartes, unelastisches Narbengewebe. Der Muskel kann sich dadurch nicht mehr richtig bewegen, die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Muskels ist vermindert. Der Hund zeigt eine Schonhaltung bzw. ein verändertes Gangbild, indem er die Zehen in eine Innenrotation, das Sprunggelenk in eine Außenrotation bringt.

Mit der Zeit geht die normale Muskelelastizität und -flexibilität vollständig verloren, da sich die Beziehung zwischen Muskellänge und Muskelspannung verändert (der Muskel kann seine maximale Spannung nicht mehr erzeugen). Der Verlust des Bewegungsausmaßes des Muskels kann zu dauerhaften statischen und dynamischen fehlerhaften Stellungsveränderungen der Hüfte, des Knies und/oder Weichteilen führen. Eine muskuläre Disbalance, dauerhafte Schonhaltung und Gangveränderungen mit entsprechenden Folgesymptomen (wie z.B. Schmerzen, Entzündungen, Schwellungen, Durchblutungsstörungen, Rückenprobleme u.a.) sind vorhergesagt.

Typische Beschwerden und Folgeschäden können z. B. sein:

  • Schmerzen (am Muskel, im Bindegewebe bis hin zur Knochenhaut)
  • allg. Kräfteverlust der Hinterhand
  • atrophierende Hinterhandsmuskulatur
  • gehäufte Gelenksblockaden
  • starke Überbeanspruchung der Wirbelsäule (u.a. des Cauda-Equina-Bereiches) und der Rückenmuskulatur
  • Überbelastung der umgebenden Muskulatur (vor allem des M. Semimembranosus)
  • Überbelastung des nicht betroffenen Hinterbeines, der Vorderbeine/Schultern (Gelenke und Muskulatur)
    ggf. in der Spätfolge mit Arthroseerkrankungen


Behandlung

Als schulmedizinische Behandlung wird der Tierarzt Entzündungshemmer und Schmerzmittel verabreichen bis die Entzündung vollständig abgeklungen ist. In dieser Zeit ist absolute Schonung des Hundes (mit Leinenzwang und Renn-/Tobeverbot) angesagt. In vielen Fällen kann eine Kontraktur des M. Gracillis nicht operiert werden.

Physiotherapie
Ziel einer physiotherapeutischen Behandlung ist eine weitere, kontinuierliche  Verschlechterung der Muskelverkürzung, Muskelverhärtung und Bewegungseinschränkung zu verhindern bzw. ein gewisses Maß an Muskelelastizität, Bewegungsmöglichkeit und Muskelkraft so lange wie möglich zu erhalten und somit das Gangbild wieder zu verbessern. Des weiteren werden die anderen – durch die Schonhaltung und Disbalance – überbelasteten Gliedmaße (Gelenke und Muskulatur) sowie der Rücken und die Wirbelsäule behandelt.
Eine unterstützende Behandlung mit z. B. Schüsslersalzen ist möglich.

Schüsslersalze
Bei einer Muskelkontraktur kann man z. B.  folgende Schüsslersalze verabreichen:
Nr. 1     – Calcium fluoratum („Salz für das Stütz- und Bindegewebe“, verleiht dem Bindegewebe Festigkeit)
Nr. 12   – Calcium sulfuricum  („das Salz der Gelenke“, beeinflusst zudem die Neubildung von Binde- und Stützgewebe)
Nr. 7    – Magnesium phosphoricum  („Salz der Muskeln und Nerven“)
Nr. 11  – Silicea  („Salz der Haare, der Haut und des Bindegewebes“, das Bindegewebe wird gefestigt, wirkt auf Haut, Fell und Krallen)

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© Petra Schneider,   info@healthydog.de