Die Patellaluxation

… bedeutet das „Herausspringen“ der Kniescheibe aus ihrer Furche

Aufbau des Kniegelenks
Das Kniegelenk wird gebildet aus dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbein (Tibia) und dem Wadenbein (Fibula). Die Kniescheibe (Patella) ist in die Endsehne der Streckmuskulatur (Musk. Quadriceps femoris) eingelagert, gleitet in ihrer Knochenrinne (Gleitrinne) im Oberschenkelknochen und setzt am vorderen Rand des Schienbeins an. Weitere Bestandteile des Kniegelenkes sind u.a. Menisken und Bänder (Kreuzbänder, Seitenbänder).

kniegelenkvorne

Bildquelle: Wikipedia

Betroffene Rassen
In 75 – 80 % der Fälle verrutscht/luxiert* die Knieschiebe nach innen („mediale Luxation“). Davon sind hauptsächlich Miniatur- und Zwergrassen betroffen. Ein gehäuftes Auftreten kommt daher beim Klein- und Zwergpudel, Yorkshire Terrier, Chihuahua, Pekinese, Boston Terrier, Foxterrier, Französische Bulldogge, King Charles Spaniel, Griffon, Papillon und Japan Chin sowie bei zahlreichen anderen kleinen Rassen vor. Auch bei einigen mittelgroßen Hunden, wie  z. B. Chow Chow, Shar-Pei, Appenzeller und Entlebucher Sennenhund können dieselben Veränderungen auftreten.
Eine Luxation nach außen („laterale Luxation„) kommt lediglich  bei 20 – 25 % der Hunde – meist überwiegend Hunde mittlerer und großer Rassen (wie z.B. Pudel, Cocker Spaniel, Irish Setter, Boxer, Flatcoated Retriever und Pyrenäen-Berghund) – vor.

Symptome
Hunde, bei denen die Knieschiebe fest in ihrer Position in der Gleitrinne liegt und nur durch Druck vorübergehend luxiert werden kann, zeigen in der Regel keine oder kaum Krankheitszeichen.
Verrutscht/luxiert die Knieschiebe jedoch spontan während der Bewegung aus ihrer Gleitrinne, so entstehen mit der Zeit Gelenksentzündungen und Knorpelschäden.

Symptome der Patellaluxation können sein:

  • Lahmheiten
  • plötzliche Hüpfbewegung (Hochhalten); kurzes Nichtbealsten  des Hinterbeines
  • Schwellungen im Knie
  • überwärmtes Kniegelenk

Um entsprechende Schädigungen im Gelenk zu vermeiden, ist eine  frühzeitige tierärztliche Behandlung wichtig. Die Behandlung hängt im Einzelnen von Alter, Rase und Ausmaß (Gradeinteilung) der Veränderungen ab.

Gradeinteilung
Die Patellaluxation wird in 4 Grade eingeteilt:

  • Grad 1:  Hier besteht eine habituelle (wiederkehrende) Luxation. Durch Druck kann die Kniescheibe in Beuge- und Streckbewegung luxiert werden, sie gleitet bei nachlassendem Druck aber spontan in ihre Gleitrinne zurück.
  • Grad 2: Die Patella kann durch Druck luxiert werden, gleitet aber nicht mehr selbständig in ihre Gleitrinne zurück.
  • Grad 3: Die Kniescheibe ist permanent luxiert. Sie kann zwar durch Druck in die Gleitrinne zurück verlagert werden, rutscht aber bei nachlassendem Druck wieder in ihre Ausgangsstellung heraus.
  • Grad 4: Die Patella ist permanent stationär luxiert, eine Reposition ist nicht mehr möglich (= „Ectopia patellaris“)

Folgeschäden der Patellaluxation
Durch die Luxation der Kniescheibe wird eine Instabilität des Kniegelenkes verursacht. Bleibt die Patellaluxation (Grad 2-4) unbehandelt, sind Folgeschäden zu befürchten, wie z.B:

  • Weitere Schädigung des Kniegelenkes (z.B. Kreuzbandriss) durch Instabilität des Gelenkes
  • Schäden an der Hüfte und/oder Wirbelsäule
  • generelle Haltungsschäden, die eine Arthrose zur Folge haben
  • Muskelatrophien (hauptsächlich der hinteren Muskulatur)
  • Gelenksentzündungen
  • Knorpelschäden


Tierarztbehandlung

Der Tierarzt wird sich nach der Gradeinteilung (s. o.) für die weitere Behandlungsmethode entscheiden.
Bis Grad 2 können entzündungshemmende und Schmerzmittel sowie knorpelaufbauende Präparate verabreicht werden. Eine chirurgische Maßnahme ist ab Grad 2 angesagt. Es gibt verschiedene Operationsmethoden, über die Sie Ihr Tierarzt informieren wird.

Physiotherapie
Bei der physiotherapeutischen Behandlung steht die Schmerzlinderung, Stabilität und der Muskelaufbau der Hinterhand im Vordergrund. Auch die Schulter- und Vorderlaufmuskulatur sowie die Wirbelsäule werden mit behandelt. Eine Gangschulung ist empfehlenswert, ebenso ein Unterwasserlaufband – oder Schwimmtraining.

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* luxieren = verrenken, ausrenken, auskugeln

 


© Petra Schneider,   info@healthydog.de