Info des Monats ‚April‘

DER DEMENTE HUND
bzw. das Cognitive Dysfunktionssyndrom

Das Cognitive Dysfunktions-Syndrom ist eine degenerative Erkrankung des Gehirns. Beim Menschen nennt man diese Krankheit „Alzheimer“ oder Demenz. Es gibt sie auch beim Hund, vorwiegend beim alten Hund.

Beim Hund bricht das CDS oder die Demenz meist im fortgeschrittenen Alter aus, oft wird sie erst im hohen Alter vom Hundebesitzer wahrgenommen. Tiermedizinisch wird das Cognitive Dysfunktions-Syndrom daher zu den geriatrischen Erkrankungen gezählt. Wann sich ein Hund im „fortgeschrittenen Alter“ befindet, hängt von der Rasse und der Größe des Tieres ab. Die Disposition zur CDS bei Hunden ist deshalb nicht pauschal auf ein bestimmtes Alter festzulegen.

Auffallend bei der CDS beim Hund sind die Verhaltensänderungen des Tieres (ähnlich denen eines an Alzheimer erkrankten Menschen). Erkrankte Hunde können ängstlich oder aggressiv werden, sind desorientiert, können sich in der eigenen Wohnung verlaufen, ihre Futterschüssel nicht wiederfinden, vergessen, wozu ein Knochen gut ist, werden unsauber usw.

Wie äußert sich die Demenz beim alten Hund?
Das CDS ist vom Erkrankungsverlauf der Alzheimer-(bzw. Demenz-)erkrankung beim Menschen sehr ähnlich. Beim Hund wird die Erkrankung jedoch meist erst sehr spät und erst bei offensichtlichen Symptomen erkannt.

Auffällige Symptome dieser Erkrankung beim Hund können sein:

  • Der Hund schläft tagsüber viel mehr, dafür ist er nachts unruhig und aktiv. D.h. er wandert nachts oft ruhelos auf und ab oder winselt.
  • Er macht insgesamt einen verwirrten Eindruck.
  • Er verläuft sich in der Wohnung, bleibt oft hinter Möbeln oder in einer Ecke stehen und findet den Weg nicht mehr aus dieser Lage heraus.
  • Er findet seine Futter- und Wassernäpfe nicht mehr oder weiß nicht mehr, was er damit anfangen soll.
  • Er wandert ziellos umher oder läuft stereotyp auf und ab. Oder er durchwandert die Wohnung, als ob er nicht mehr weiß, wohin er wollte, unterbrochen von Phasen mit „in-die-Leere-starren“.
  • Er wartet auf der falschen Türseite oder sogar an der falschen Tür.
  • Der Hund wird unsauber, d.h. Der Hund signalisiert selten oder überhaupt nicht mehr, dass er raus muss. Oder er zeigt an, raus zu wollen, draußen hat er vergessen, warum. Typisch ist auch eine Unsauberkeit kurz nach dem Spaziergang.
  • Der Hund zeigt deutlich weniger Interesse an seiner Umgebung.
  • Auf bekannte Reize, wie Rufen, Bällchen werfen, Türklingel oder Leckerchen, reagiert der Hund kaum noch oder gar nicht.
  • Weniger freudige Begrüßung vertrauter Menschen und Hunde, bis hin zu völlig ausbleibender Reaktion. Vertraute Personen werden als Fremde wahrgenommen, sie werden unter Umständen angebellt und angeknurrt oder der Hund weicht ihnen ängstlich aus. Manchmal erkennen erkrankte Hunde ihren eigenen Besitzer nicht mehr.
  • Der Hund vergisst bekannte Kommandos wie “Sitz” oder “Platz” oder hört nicht mehr auf seinen eigenen Namen.
  • Er weiß nicht mehr, was man mit einem Knochen oder Spielzeug macht.
  • Er hat ggf. Gefühls- und Stimmungsschwankungen bis hin zur Reizbarkeit. Der Hund kann plötzlich launisch, ängstlich oder aggressiv reagieren. Dies kann sich in spontaner Bissigkeit oder auch in ängstlichem Rückzug äußern.
  • Der Hund verlangt weniger oder gar nicht mehr nach Zuwendung und Streicheleinheiten, oftmals entzieht er sich dem Streicheln, als ob es ihm unangenehm wäre.

Die meisten der oben genannten Symptome können jedoch auch ganz andere Ursachen haben. Deshalb ist es wichtig, den Hund eingehend vom Tierarzt untersuchen zu lassen, um alle anderen möglichen Erkrankungen auszuschließen.

Ursachen der Hundedemenz
Beim dementen Hund sterben – ebenso wie beim dementen Menschen – im Gehirn Nervenzellen ab. Am empfindlichsten sind die Nervenzellen, die für Lernen, Gedächtnis und Bewusstsein zuständig sind. Sie liegen in der äußeren Schicht des Gehirns, der Neuhirnrinde. Sie sind gut eingebettet in Einfaltungen an den Schläfen. Normalerweise werden Mensch und Tier alt, ohne dass diese Zellen absterben. Aus bisher unbekannten Gründen erkrankt aber mancher Hund (oder Mensch) an diesem Neuronensterben (Absterben v. Nervenzellen).

Was führt zum Neuronensterben?
Abgeleitet von der Alzheimerkrankheit aus dem Humanbereich kann man sich das Neuronensterben und damit die Zerstörungsprozesse im Gehirn folgendermaßen erklären:  Im Inneren des Gehirns (bei Mensch und Tier) ist alles auf Leistung ausgerichtet. Alle Oberflächen, die miteinander in Kontakt stehen, tauschen Informationen aus, transportieren Abfallstoffe ab und liefern Nährstoffe. Nur wenn all diese Oberflächen frei von Ablagerungen sind, können diese die lebenswichtigen Arbeiten verrichten und die Nervenzellen mit allem versorgen, was sie brauchen. Auch haben Nervenzellen in ihrem Inneren regelrechte „Straßen“ oder „Autobahnen“ (Axone genannt), auf denen sie ihre Botenstoffe (die sie für die Kommunikation mit anderen Nervenzellen benötigen) vom Zellkörper bis weit auf die andere Seite des Gehirns transportieren können.

Bei CDS und Alzheimer-Demenz funktionieren bestimmte Eiweiße (Proteine) nicht. Es sind genau die Proteine, die sowohl die „Autobahn Axon“, als auch die äußeren Oberflächen der Zellen frei von Ablagerungen halten sollen. Deshalb lagern sich Abfallstoffe an, sehr langkettige Eiweiße, die weder abgebaut noch abtransportiert werden können. Sie zerreißen das Axon, zerstören damit die Kommunikationsfähigkeit der Nervenzellen und umgeben die Nervenzellen außerdem mit einer Mauer. Durch diese kann zum einen Abfall nicht mehr abtransportiert werden, zum anderen gelangen Nährstoffe nicht mehr ungehindert zur Zelle. Die Zelle stirbt, d.h. sie vergiftet sich selbst, verhungert und verstummt und wird vom Immunsystem des Gehirns fortgeschafft. Zurück bleiben Löcher, die sich mit weiteren Mauern füllen.
Sowohl bei CDS als auch bei Alzheimer Demenz verläuft der Zerstörungsprozess im Gehirn sehr langsam und über viele Jahre. Die Folgen der Erkrankungen zeigen sich deshalb meist erst sehr spät.

Im Endstadium einer Demenz wird der Hund leider zum vollständigen Pflegefall. 

Tierarzttherapie
Die Diagnose einer Demenz oder CDS bei Hunden ist nicht ganz einfach. Zuerst wird der Tierarzt alle anderen Ursachen für die auftretenden Symptome ausschließen. Anschließend sind umfassende neurologische Untersuchungen nötig.

Das Cognitive-Dysfunktions-Syndrom ist, wie Alzheimer beim Menschen, nicht heilbar. Durch eine frühzeitige Medikamentengabe kann der Verlauf jedoch oft verlangsamt werden. Eine Therapie sollte deshalb so früh wie möglich beginnen und basiert auf der Gabe von entsprechenden Medikamenten, die die Gehirnleistung fördern, ggf. werden Beruhigungsmittel gegen Ängste und Unruhe verabreicht. Als Unterstützung kann ggf. noch ein mit Antioxidantien angereichertes Spezialfutter gefüttert werden.

Auch der Hundebesitzer kann mithelfen: Durch z.B. neue Spazierwege oder das Erlernen von neuen Kommandos wird das Gehirn stimuliert und kann helfen, den Verlauf der Erkrankung hinauszuzögern.

Was kann der Hundebesitzer zudem tun?
Ein an Demenz erkrankter Hund verursacht zunehmende Einschränkungen im menschlichen Alltag, denn die Bedürfnisse des Hundes sollen im Mittelpunkt stehen. Möglicherweise kann der Hund nicht mehr alleine gelassen werden. Ist ein kurzes Alleinsein nicht  zu vermeiden, sollte der Hund in einem Raum gelassen werden, in dem er sich gut auskennt und wohl fühlt. Zur Beruhigung kann das Radio eingeschaltet werden. Für die Unsauberkeit können – neben häufigeren Gassigängen auch Hundewindeln hilfreich sein.

Vorbeugen einer Demenz
Leider gibt es keine Prophylaxe für diese Erkrankung. Es macht aber auf alle Fälle Sinn, auch alte Hunde geistig auszulasten. Das Gehirn wird schon durch einen neuen oder anderen Gassiweg oder Futtersuchspiele angeregt!  Auch kleine Aufgaben, Spiele und Übungen, die die Koordination schulen, regen das Gehirn an.
Hierbei kann man sich auch Koordinationsübungen oder Übungen aus der „Gangschulung“ der Physiotherapie abschauen und mit dem Hund beüben.

nach oben