Aktuelle Info des Monats

Nervenerkrankungen beim Hund

Wie beim Menschen kommen auch beim Hund Nervenerkrankungen vor. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, können sich diese in Form von (Nerven-)Schmerzen, Gefühlsstörungen (Missempfindungen), motorischen Bewegungsstörungen, gestörter Koordination, Lahmheiten und Lähmungen bis hin zu Krämpfen und Verhaltensveränderungen zeigen.

Beispiele für einige typische Nervenerkrankungen, die den Hund betreffen:

Neuralgie – Nervenentzündung
Die Neuralgie entsteht durch akute oder chronische Reizungen/Entzündungen der Nerven im Wirbelsäulenbereich. Der Hund reagiert darauf mit Bewegungsunlust, einem hoch gezogenen Rücken und Steifigkeit. Ursachen können sein: Einengung von Nerven an ihren Wirbelaustrittsstellen oder Knochenzubildungen am Wirbelkörper z. B. durch Spondylosen (Wirbelgelenksarthrosen), durch Gewalteinwirkung, Unfällen oder aufgrund von Muskelentzündungen.
Betroffene Hunde zeigen dabei oftmals Verhaltensveränderungen, Bewegungsstörungen, Lähmungen und Rückenbeschwerden, oft sind alte Hunde davon betroffen.

Neuritis – Entzündung eines peripheren Nervs oder  Hirnnervs
Von einer Neuritis spricht man bei einer Entzündung eines oder mehreren Nervenwurzeln (Polyneuritis). Abhängig vom Entzündungsausmaß kann es zu Gefühlsstörungen bis hin zu Taubheits- oder Lähmungserscheinungen in verschiedenen Körperregionen kommen. Es können dabei neben den Gliedmaßen auch Nerven des Gesichtes, der Augen oder Ohren betroffen sein. Abhängig davon, welche Nerven von der Entzündung betroffen sind, können Symptome wie Missempfindungen, motorische Bewegungsstörungen (Muskelschwäche, Muskelentzündungen bis hin zu Lähmungserscheinungen) auftreten.
Bei einer toxischen Neuritis wird diese durch giftige Substanzen verursacht, bei einer infektiösen  Neuritis sind Viren, Bakterien oder Pilze der Grund für die Entzündung. Eine traumatische Neuritis kann als Folge von mechanischen Verletzungen (z.B. Quetschungen) auftreten. Oft ist eine Druckeinwirkung auf den entsprechenden Nerv (z.B. bei einem Bandscheibenvorfall) verantwortlich für die Entzündung. Auch Stoffwechselgifte, die z.B. bei einer Diabetes entstehen, aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten können eine Nervenentzündung auslösen.

Letztendlich kann auch eine Mangel- oder Fehlernährung eine Neuritis auslösen. Hierbei spielt insbesondere Folsäure eine wichtige Rolle.
Wird keine erkennbare Ursache für die Neuritis gefunden, spricht man von einer idiopathischen Neuritis.

Chronische Neuropathie (Erkrankungen der peripheren Nerven, die keine traumatische Ursache haben)

Die chronische Neuropathie betrifft hauptsächlich ältere Hunde. Hier verlieren die Nerven im Laufe des Alters ihre Funktion und das Nervengewebe baut sich ab. Der Vierbeiner bewegt sich dadurch nicht mehr so gerne, verzichtet auf Sprünge und hat ggf. Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Die Nervenabnutzung ist ein degenerativer Alterungsprozess und lässt sich schwer stoppen. Es betrifft meistens mittelgroße bis große Rassen und ist normalerweise schmerzlos. Fängt der Hund dabei jedoch mit Krallenschleifen (Überköten) an, kann dies zu schmerzhaften Verletzungen und Entzündungen der Pfoten führen.

Ischialgie – Entzündung des Ischiasnerves
Eine Ischialgie wird in vielen Fällen durch Bandscheibenvorfälle der unteren Lendenwirbelsäule verursacht. Das vorgefallene Gewebe der Bandscheibe führt hierbei zu einer Irritation der in diesem Bereich abgehenden Nervenwurzeln, die man auch als Radikulopathie bezeichnet. Sie kann zum Beispiel  durch die Kompression des Nervs entstehen.
Manchmal reicht auch eine länger anhaltende Wirbelblockade in diesem Bereich aus, um den Ischiasnerv zu reizen und zu entzünden.
Die Reizung bzw. Entzündung des Ischiasnervs äußert sich durch Schmerzen im Bein. Die Schmerzweiterleitung folgt dem Verlauf des Nervus Ischiadicus (Ischiasnervs) vom Hintern über den rückseitigen Oberschenkel und den Unterschenkel bis in den Fuß.

DM – die Degenerative Myelopathie
Die DM ist eine  langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Dabei kommt es zur Zerstörung der Nervenhülle (Myelin) im Rückenmark. Die Erkrankung führt zu Bewegungsstörungen mit unkoordinierten Bewegungen der Hinterhand. Zudem haben die Hunde eine gestörte Eigenwahrnehmung und gestörte Reflexe.

Epilepsie
Bei dieser Nervenerkrankung werden Nervenzellen im Gehirn übermäßig erregt und krampfen dadurch. Es gibt eine primäre Form der Epilepsie, wobei es sich um eine Erbkrankheit handelt. Hiervon sind z.B. Rassen wie Golden Retriever, Labrador, Collie, Beagle u.a. betroffen.
Bei der sekundären Form der Epilepsie ist eine andere Grunderkrankung für die epileptischen Anfälle (Krämpfe) verantwortlich. Es können Erkrankungen der inneren Organe (Nieren-/Leberstörungen) oder Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System die Epilepsie auslösen.

Bei jungen Hunden kann eine Missbildung der Lebergefäße vorliegen, die „Shunt“ genannt wird. Dabei werden Giftstoffe nicht ausreichend vom Körper (der Leber) gefiltert und reichern sich im Gehirn an, was zu den Krämpfen führt.

Ebenso können Infektionskrankheiten und Vergiftungen die Symptome auslösen. Das gleiche gilt für Störungen im Salz- und Wasserhaushalt des Hundes, die ebenfalls Krämpfe des Gehirns auslösen können.

Weitere Ursachen für eine Epilepsie können Missbildungen, Verletzungen, Entzündungen oder Tumore sein.

Head Bobbing – der episodische Kopftremor
Bei dieser Erkrankung schüttelt der Hund seinen Kopf wie bei einer Parkinson-Erkrankung (d. Menschen). Davon ist allerdings nur  der Kopf (keine weiteren Körperteile) betroffen. Ursachen können neurologische Erkrankungen, Tumore, Entzündungen oder Vergiftungen sein.
Das Head Bobbing kann bisher durch keine Diagnostik nachgewiesen werden. Es wird deshalb durch ein reines Ausschlussverfahren festgestellt.

Nervenerkrankungen – vor allem Nervenentzündungen – können SEHR SCHMERZHAFT sein und müssen vom Tierarzt medikamentös behandelt werden. Nach Abklingen der Entzündungen können  bei einigen Nervenerkrankungen durch physiotherapeutische Behandlungen verklebtes Muskelgewebe gelöst, Narbengewebe behandelt und die Gliedmaßenbeweglichkeit wieder hergestellt werden. Zusätzlich können Magnetfeld- oder Lasertherapie oder eine Akupunkturbehandlung eingesetzt werden.