Info des Monats ‚Dezember‘

Bald ist WEIHNACHTEN…
… und nach Weihnachten kommt der von vielen Tierbesitzern gefürchtete Silvestertag.

Was tun, wenn Ihr Hund „silvester-panisch-“  wird…?

Hier ein paar Tipps:

Geräusche-CD´s …
helfen selten, da der Hund die angstmachenden Geräusche oft im Ultraschallbereich wahr­nimmt und kaum eine häusliche Stereoanlage in der Lage ist, diese Frequenzen identisch wiederzugeben. Es bedarf dazu zudem eine  lange Vorbereitungszeit (über Wochen), um eine gute Desensi­bilisierung zu erreichen, die mit einem Alternativverhalten des Hundes gekoppelt sein sollte, um nachhaltig wirkungsvoll zu sein.

Sicherheit…
ist ein Thema schon vor und auch ein paar Tage nach Silvester. Denn  die ersten Böller werden erfahrungsgemäß schon vor dem Silvestertag gestartet, oft an Plätzen, an denen sie vom Hundehalter nicht erwartet werden. Aber auch nach Silvester werden die letzten Böller unerlaubt abgeschossen. Bitte beachten Sie dies bei Ihren Spaziergängen mit Ihrem ängstlichen Hund.
Es ist wichtig, Ihren Hund so zu „sichern“, dass er im Falle eines panischen Erschreckens nicht aus dem Halsband oder Geschirr entweichen kann. Sorgen Sie dafür, dass Ihnen die Leine nicht aus der Hand gerissen werden kann, wenn sich der Hund rück­artig zur Seite bewegt. Handschuhe verhindern, dass man sich nicht mit der Leine verletzt, wenn diese ruckartig durch die Hand gleitet. Auch festes Schuhwerk ist unerlässlich.
Auf Flexileinen sollte man um, an und nach Silvester aus Sicherheitsgründen verzichten und gegen eine Schleppleinen bzw. langer Führleine tauschen.

Es empfiehlt sich zudem, die Gassigehzeiten am Silvestertag früh zu legen (vor Dämmerung bzw. der „Hauptknallzeit“).  Um dem Hund den Stress etwas zu reduzieren, ist es auch sinnvoller, 3 kleinere Runden (als eine große, lange) zu laufen. Eine Möglichkeit wäre, eine lange Runde am Silvestervormittag (wo erfahrungsgemäß weniger geknallt wird) zu gehen und später – wenn nötig – 2 kleine Pippirunden am doppelt gesicherten Geschirr.

Im Haus schließen Sie am besten rechtzeitig die  Rollläden, denn auch Lichtreflexe lassen ängstliche Hunde oft aufschrecken.  Bieten Sie Ihrem Hund Rückzugsmöglichkeiten an (z.B. das Gäste-WC oder Badezimmer) und zwingen Sie ihn nicht, bei Ihnen zu bleiben. Ein Rückzugsort im Haus gibt dem Hund Sicherheit. Manche Hunde lieben eine Kennelbox als Höhle und Rückzugsort, aber bitte lassen Sie die Tür offen, damit der Hund selber wählen kann, wo er sein möchte. Die Kennelbox sollte dem Hund schon vertraut sein und nicht mit “Wegsperren” für den Hund verbunden sein.

Neben Entspannungsritualen, die frühzeitig konditioniert wurden (z.B. Duftessenzen, Tellington-touch-Techniken) helfen manchmal kleine Beschäftigungs- und Ablenkungsübungen, die Zeit zu überstehen. Auch Musik, oder der eingeschaltete Fernseher kann für den Hund – entweder  beruhigend wirken (bei leisem Ton), oder (bei lautem Ton), die Silvestergeräusche draußen etwas „über­decken“.

Thundershirt/”Donnerhemdchen”
Ein Thundershirt ist ein eng anliegender Körperanzug, der auf bestimmte Druckpunkte des Körpers einwirkt – mit Anlehnung an die Tellington TTouch Methode. Für viele Hunde bedeutet die Enge = Sicher­heit. Das Shirt sollte  unbedingt vor Silvester positiv antrainiert werden, sonst kann  es der Hund evtl.  falsch verknüpfen.
Oft hilft es auch, dem Hund ein normales, eng anliegendes T-Shirt überzuziehen oder ihn mit einer Decke leicht zuzudecken. Beides hat einen ähnlichen Effekt (des „sicheren Gefühls“).

 

Medikamente und Co.

Präparate für die Umgebung (sogenannte Wohlfühl-Pheromone)…

z.B.  „DAP Vernebler“ (über die Steckdose) –
wird durch die Verwendung von D.A.P.-Spray beziehungsweise D.A.P.-Zerstäubern erreicht. Leider deckt dieses Präparat nur die häusliche Umgebung ab, so dass die Angstproblematik beim Spaziergang weiterhin bestehen bleibt. Aus diesem Grund wurde ein Halsband auf D.A.P.-Basis entwickelt, welches unter dem Namen Adaptil erhältlich ist. Beides (Vernebler und Halsband) sind Nebenwirkungsfrei für Mensch und Tier.

Zylkène
Zylkène wirkt beruhigend auf den Organismus von Hund und Katze und beeinflusst das Wohlbefinden positiv. Den enthaltenen Produkte Pepsin und Trypsin wird eine entspannende und beruhigende Wirkung nach dem Säugen des Tieres zugeschrieben. Nebenwirkungen sind keine bekannt. Es empfiehlt sich, die Kapseln zu öffnen und den Inhalt unter das Futter des Tieres zu mischen.
Zylkène sollte mindestens zwei Tage vor einer gewünschten beruhigenden Wirkung gegeben werden. Wenn eine längerfristige beruhigende Wirkung erzielt werden soll, empfiehlt sich eine Gabe von ein bis zwei Monaten, wenn notwendig auch länger.

Relaxan
ist ein Präparat in Tablettenform, welches in hoher Konzentration die Aminosäure Trypto­phan enthält. Tryptophan wird im Gehirn zum Botenstoff Serotonin umgewandelt. Im Bereich der Psychiatrie werden bei Mensch und Tier zur Behandlung von Angststörungen Psycho­pharmaka verwendet, welche gezielt den Serotonin-Spiegel im Gehirn steigern. Daher ist erklärbar, warum Tryptophan eine angstlösende Wirkung beim Tier entfalten kann.

Baldrianprodukte
z. B. „Sedariston“ ist ein pflanzliches Arzneimittel (für den Humanbereich) zur Beruhigung. Die Inhaltstoffe Johanniskraut und Baldrianwurzel können den Hund beruhigen und/oder schläfrig machen. Es empfiehlt sich, Sedaristion schon vor Silvester (probehalber) auszuprobieren. Man kann dem Hund mittags und abends je 1 Kapsel übers Futter streuen.

Bachblüten
Bachblüten-Extrakte, wie z.B. die „Notfalltropfen“ Rescue können den Hund beruhigen.

Gabe von Medikamenten
– Hierzu lassen Sie sich bitte vom Tierarzt Ihres Vertrauens beraten. –


Für was Sie sich auch immer entscheiden oder ausprobieren möchten, es empfiehlt sich, dies schon einige Zeit VOR der Silvesterknallerei zu tun, um die Wirkung/ Reaktion des Tieres auf das Präparat zu testen.


Trösten
…. erlaubt oder doch lieber nicht???

Jeder Hundebesitzer weiß, zitternde, ängstliche Hunde soll man nicht „trösten“, denn dies bestärkt ihre Angst.
Frau Dr. rer.nat Blaschke-Berthold (Tiertrainerin und Verhaltenstherapeutin) ist – was den Silvestertag betrifft – anderer Meinung.  Silvester ist eine Ausnahmesituation und man kann/darf  in die­sem Fall dem Hund tröstend beistehen.  Diese Aussage deckt sich mittlerweile mit vielen Aussagen aus der kynologischen Fachwelt.

 

Fazit:
Man kann sicher einem sehr angstvollem Hund nicht bis zu 100 % helfen, aber man kann eine Menge guter Dinge tun, um ihm (und Ihnen) die anstrengende Zeit vor und nach Silvester zu erleichtern.

 

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© Petra Schneider,   info@healthydog.de